Verfasst von: nikandrow | November 23, 2007

Gott und die Welt

Bisher bei der Frage nach dem Ursprung der Emergenz habe ich einen wichtigen Aspekt der Reduktion außen vor gelassen. Eine grundlegende Funktion jedes Systems ist die Reduktion der Umweltkomplexität. Das heißt die Reduktion findet sowohl innen, als auch außen statt.   

Man kann sagen, dass die Emergenz dann entsteht, wenn zwei Arten von Komplexitäten aufeinander treffen: innere und äußere. Es wird eine Reduktionsleistung erbracht. Beide Komplexitäten werden von dem System reduziert. Infolge dessen entwickeln sich die emergenten Eigenschaften des Systems. 

Es gibt eine Frage, die die Menschheit seit Jahrtausenden beschäftigt. Die Frage nach der Existenz Gottes. Viele Gelehrten haben versucht, einen Gottesbeweis zu erbringen. Jeder ist bisher gescheitert. Ich halte es prinzipiell für unmöglich – zumindest vom Stand des heutigen Wissens ausgehend – weder die Existenz, noch die Nichtexistenz Gottes zu beweisen. Dennoch versuche ich hin und wieder verschiedene philosophische Ideen und Konzepte auf Gott anzuwenden, um zu sehen, wie sie im Extremfall funktionieren.

Es kann hier prinzipiell keine Antwort geben, kein Richtig oder Falsch, aber man kann eine gewisse Zeit damit verbringen, das eine oder das andere Rätsel zu lösen. Es ist wie eine Gleichung mit mehreren Unbekannten: Man kann eine Variable nach der anderen beliebig variieren und schauen, was dabei herauskommt. Zwar haben uns damals die Mathelehrer immer versucht beizubringen, dass man keine Gleichung auf diese Art lösen sollte, weil es einfach zu lange dauert, doch ist man hin und wieder auf interessante nichttriviale Lösungen gestoßen, die zwar auch richtig waren, aber anders. Und das schärft den Geist und fördert die Phantasie. 

Gott

Wenden wir also das Prinzip der Emergenz, die beim Aufeinanderprallen zweier Komplexitäten durch deren Reduktion entsteht, auf das höchste anzunehmende System, auf das Universum an. Man kann davon ausgehen, dass das Universum keine emergenten Eigenschaften besitzt, da es keine Umwelt hat und lediglich die Vorgänge in seinem Inneren reduzieren kann, was nach dem o.g. Prinzip nicht ausreicht, um emergente Eigenschaften zu entwickeln. Ein Beispiel für solche emergenten Eigenschaften wäre die Existenz eines kosmischen Bewusstseins, also die Existenz von Gott.  

Das heißt keine Umwelt – kein Gott!  

Man könnte jedoch annehmen, dass ein Universum ohne Umwelt und ohne Gott auf einmal aus sich selbst heraus eine Umwelt erschafft (und wir uns in dieser Umwelt, d.h. außerhalb des ursprünglichen Universums befinden). In diesem Schöpfungsakt wird das ursprüngliche Universum zum Gott. Das heißt mit anderen Worten, Gott wird erst in dem Moment zum Gott, wo er in einen Schöpfungsakt verwickelt ist. 

Das führt die Dogmatik der Kirche ad absurdum, die davon ausgeht, dass Gott ewig existierte, noch bevor er die Welt erschuf. Vielleicht existierte er ewig, aber bevor er die Welt erschuf, war er noch lange kein Gott, denn in dem Moment, wo Gott die Welt erschuf, erschuf er auch sich selbst.


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